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Doris Batliner in England

Doris Batliner aus Eschen verbrachte 6 Monate in England als Europäische Freiwillige. Die 22-Jährige berichtet von ihren Erfahrungen in der historischen Stadt Bath.

Warum hat es dich ins Ausland gezogen?

Ich wollte eigentlich schon immer ins Ausland. Habe mich jedoch nie endgültig durchringen können, weil mir der Mut dazu fehlte. Während meines Praktikums im aha habe ich vom EFD gehört. Und da ich für die Zeit danach keine Pläne hatte, entschied ich mich für ein Zwischenjahr im Ausland.

EFD, was ist das?

EFD steht für den Europäischen Freiwilligen-Dienst. Man erhält die Chance, in ein europäisches Land zu gehen und in einer Non-Profit Organisation zu arbeiten. Für den Einsatz wird man mit Taschengeld sowie Unterkunft und Verpflegung entlöhnt. Die Hin- und Rückreise sowie die Krankenversicherung werden durch das EU-Porgramm «Jugend in Aktion» übernommen.

Warum hast du England gewählt?

Ich wollte mein Englisch verbessern und darum zog es mich in ein englischsprachiges Land. Eigentlich wäre ich gerne nach Irland gegangen, leider wurde dort keine passende Partnerorganisation gefunden.

Wie hast du dich vorbereitet?

Viele Freunde von mir hatten schon EFD-Erfahrungen gemacht. Natürlich habe ich diese «ausgequetscht». Da ich im aha (Jugendinformationszentrum, Schaan) arbeitete, welches auch den EFD koordiniert, hatte ich dort vorab viele Informationen erhalten. In der Projektsuche unterstützte mich die zuständige Person (Virginie) vom aha. Vor meiner Abreise in den EFD nahm ich an einem Vorbereitungsseminar in Salzburg teil. Dort erhielt ich viele nützliche Infos und wurde über meine Rechte und Pflichten als «Freiwillige» aufgeklärt. Es wurde mir bewusst, was ich erwarten darf und was nicht. Da ich mich ein Jahr vor meiner Abreise entschieden hatte, einen EFD zu machen, konnte ich mich rund 12 Monate mit dem Thema Auslandaufenthalt auseinandersetzen. Wie es werden würde, wie die Arbeit aussehen würde, weiss man im Voraus ja nicht.

Wie sah dein Arbeitseinsatz in Bath aus?

Ich arbeitete in einem Afterschool-Club. Wir holten die Kinder von der Schule ab, spielten oder bastelten mit ihnen und assen Zvieri. Bis die Kinder von ihren Eltern abgeholt wurden, beaufsichtigten wir sie. Ich lernte viel in der täglichen Arbeit mit Kindern. In England sind die gesetzlichen Bestimmungen für eine Tätigkeit mit Kindern und Jugendlichen sehr streng. Es war für mich teilweise herausfordernd, die Bestimmungen einzuhalten. Beispielsweise durfte ich einem Mädchen nicht auf der Toilette helfen die Hosen wieder anzuziehen. Eigentlich hätte ich 30 Stunden in der Woche arbeiten müssen, aber die Organisation schaffte es nicht, dies so zu koordinieren. Deshalb arbeitete ich anfangs nur nachmittags. In der zweiten Hälfte meines Aufenthaltes konnte ich zudem noch in der Rezeption des «Hostels» (Jugendherberge) arbeiten. Ich machte Buchungen, begrüsste die Leute bei ihrer Ankunft und gab ihnen die Schlüssel. Auch erhielt ich die Möglichkeit im Büro sowie im Restaurant mitzuhelfen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Zu Beginn besuchte ich morgens das hausinterne Fitnessstudio. Ich konnte es gratis benutzen. Die letzten Monate nutze ich es weniger, da ich mehr arbeiten musste. Da ich seit langem Klarinette spiele, entschied ich mich, beim «All Commens Orchestra» anzufragen, ob ich bei ihnen mitmachen könne. Beim All Commens Orchestra kann jeder mitspielen. Du brauchst kein bestimmtes Niveau, dementsprechend hat es sich auch angehört (lacht). Ich fand es aber lustig und hatte obendrein Gelegenheit, Leute ausserhalb meines EFDs kennen zu lernen. Sonst bin ich oft mit meinen Klassenkollegen vom Sprachkurs oder mit meinen Mitbewohnerinnen ausgegangen. Gegen Schluss verbrachten wir mehr Zeit mit unseren englischen Arbeitskollegen.

In welcher Sprache hast du dich unterhalten?

Anfänglich sprachen wir in der WG oft deutsch. Nach einer Weile setzte ich durch, dass wir miteinander englisch sprachen. Es war einfacher, sich nur in einer Sprache zu unterhalten und nicht immer zwischen Hochdeutsch und Englisch zu «switchen». Wenn es jemandem schlecht ging oder es ein bestimmtes Problem zu klären gab, sprachen wir deutsch miteinander.

Mit welchen Erwartungen und Vorurteilen bist du nach England gereist?

Ich war schon zweimal vorher in England und es hat mir damals nicht gefallen, weil ich die Leute als sehr arrogant empfand. Und ich dachte mir: «Es regnet ja sowieso die ganze Zeit in England. Und dann geh ich auch noch im Winter!!» Ich hoffte, dass sich meine Bedenken betreffend Leute und Wetter nicht erfüllen würden. Im Vorfeld sprach ich mit derjenigen Person, die vor mir in diesem Projekt war. So wusste ich ungefähr, was mich erwartete. Auf der 12 Stunden dauernden Hinreise machte ich kein Auge zu. Nicht vor lauter Aufregung, sondern wegen der vielen Gedanken, die mich beschäftigten: Wie würde es dort aussehen? Würde ich es überhaupt finden?

Hattest du vorher Wünsche?

Mein Wunsch war, mein Englisch zu verbessern und neue Erfahrungen zu machen. Aber konkret habe ich mir nichts vorgenommen.

Hast du schlechte Erfahrungen gemacht?

Beim EFD hat man einen Mentor bzw. eine Mentorin, der einem vor Ort unterstützt. In den ersten Monaten hatten wir grosse Probleme mit unserer Mentorin. Sie war ganz lieb, aber leider mit ihrer Arbeit überfordert. Sie vergass unsere Anliegen häufig. Darum waren unsere Arbeitseinsätze auch schlecht geplant und wir hatten wenig zu tun. In der Wohngemeinschaft gab es auch immer wieder Probleme. Wir waren zu fünft, davon drei Deutsche und ein Franzose. Letzterer war etwas sonderbar und erschwerte uns das Zusammenleben. Da er ziemlich altmodisch war, war er der Überzeugung, dass Hausarbeit Frauensache sei und wir ihn zu bedienen hätten. Zudem hatte er sprachliche Schwierigkeiten. Ich denke, er hatte Mühe damit, dass wir besser Englisch sprachen und selbstständiger waren. Irgendwann haben wir anderen dann einen Weg gefunden...

Was hat sich durch deinen Auslandaufenthalt verändert?

Das ist schwer zu beurteilen. Ein paar Leute sagen, ich hätte mich sehr verändert. Ich habe viel über mich selber gelernt. Auch bin ich selbstbewusster geworden. Das Bild meiner beruflichen Zukunft ist um vieles klarer geworden. Ich habe in England einen Kurs am «English-College» besucht, welchen ich mit einem internationalen Diplom abgeschlossen habe. Für die Hochschule, die ich künftig besuchen werde, muss ich nun keine Englisch- Aufnahmeprüfung mehr absolvieren. Meine Auslanderfahrung wird mir hoffentlich Vorteile bei der Arbeitssuche bringen.

Sind dir Unterscheide zwischen England und Liechtenstein aufgefallen?

Da England nicht so weit entfernt ist, gibt es keine grossen Unterschiede. Engländer sind sehr hilfsbereit und freundlich, und man wird nie von ihnen kritisiert. Bei alltäglichen Kleinigkeiten wurde mir bewusst, dass ich mich im Ausland befand. Zum Beispiel sagen die Engländer zu allen Brotsorten «bread», auch wenn es sich für uns um Toast handeln würde. Nach englischem Verständnis ist nur gegrilltes Brot ein wirklicher Toast. Sandwiches sollten auf keinen Fall getoastet werden. Am Anfang ist es schwierig, bis man diese Sachen unterscheiden kann. Aus einer Blamage lernt man jedoch viel!

Was hat dich am Land überrascht?

Ich dachte England sei kein schönes Land, es regne immer und die Leute seien arrogant, konnte aber feststellen, dass England viele schöne Seiten hat. In der Natur war es schön, aber auch die Städte mit ihrer Architektur sind einen Besuch wert. Die Stadt Bath ist wunderschön und da sie südlich gelegen ist, hatten wir relativ oft schönes Wetter. In jedem Land gibt es schöne Ecken.

Hast du Tipps für junge Leute, die ins Ausland gehen möchten?

Ich finde es wichtig, dass man sich für die Vorbereitung genügend Zeit nimmt. Und sich gut überlegt, was man will, wohin man will und was für Ziele man hat. Ohne gute Vorbereitung kann es während einem Auslandaufenthalt schwierig werden. Man kann die Zeit sicherlich geniessen, doch wird man von Problemen oder Konflikten, die man vermeintlich zu Hause liess, wieder eingeholt. Ich könnte nicht einfach so abhauen. Für mich ist es wichtig, zu wissen auf was ich mich einlasse.

Was sollte man unbedingt mitnehmen?

Ich packte sehr viele Sachen ein - als ob ich zum Nordpol reisen würde. Als ich ankam, dachte ich mir: «Super, das hättest du auch hier kaufen können!» Ich vermisste in England vor allem Dinge aus dem Alltag: Es gibt zum Beispiel keine Gemüseraffel zu kaufen. Das kennen sie nicht. Aber man kann ja nicht sagen, alle sollen eine solche kaufen. Persönliche Sachen wie Fotos sind wichtig, um sich das Zimmer gemütlicher einzurichten.