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Lisas LED in Afrika

Lisa Fischer aus Balzers war für vier Monate in Burkina Faso. Die 21- Jährige berichtet von ihren Erfahrungen in Afrika.

Weshalb hast du gerade dieses Land ausgewählt?

Ich wollte schon immer nach Afrika. Bei der Projektsuche gab ich an, dass ich ein französischsprachiges Land bevorzugen würde. Ausserdem habe ich dem LED, der die Projektwahl für mich traf, angegeben, dass ich am liebsten mit Kindern arbeiten würde.

Was ist der LED?

Der LED ist der Liechtensteinische Entwicklungsdienst. Er koordiniert Hilfsprojekte weltweit.

Wie lange warst du dort?

Insgesamt war ich 4 Monate in Burkina Faso.

Warum wolltest du ins Ausland?

Es war schon immer mein Wunsch gewesen in Afrika einen Einsatz in der Entwicklungshilfe zu absolvieren. Nach der Matura kam für mich der perfekte Zeitpunkt mir diesen Wunsch zu erfüllen.

Wie sahen die Vorbereitungen aus?

Ich hatte zwei Gespräche mit der zuständigen Person des LED. Zudem traf ich mich mit dem Verein für humanitäre Hilfe, welcher «mein» Projekt ins Leben rief und es dauerhaft unterstützt. Beim Treffen mit dem LED wurde ich vor allem über die Kultur im Land informiert. Auf einen Kulturschock, der vielleicht auf mich zukommen könnte, wurde ich vorbereitet. Ich kümmerte mich selber um das Visum und um die gesundheitliche Vorsorge.

Mit wie viel Vorbereitungszeit muss gerechnet werden?

6 Monate (Bewerbung, Gespräche, persönliche Vorbereitung).

Wer hat dir bei den Vorbereitungen geholfen

Andere Personen, die bereits etwas Ähnliches gemacht haben oder auch sonst im Ausland waren. Auch waren meine Schwester und Freunde von mir schon mit dem LED unterwegs.

Wie sehen die ungefähren Kosten aus?

Der Flug kostet 1‘500.- Franken und der Lebensunterhalt beläuft sich auf denselben Betrag. Die Reiseversicherung kam noch hinzu.

Was hast du vor Ort gemacht?

Ich betreute Kinder in einem Waisenhaus. Zudem war ich als Deutsch-Sprachassistentin in einem öffentlichen und einem privaten Gymnasium tätig. Als ich nach Afrika kam, waren gerade Schulferien, deshalb habe ich in dieser Zeit noch in einem kleinem Krankenhaus auf einer Station für unterernährte Kinder mitgeholfen.

Wo hast du gewohnt?

Ich hatte ein kleines und einfaches Gästezimmer mit eigenem Bad im Waisendorf.

Hast du eine neue Sprache gelernt?

Amtssprache in Burkina ist Französisch. Allerdings beherrschen wenige Burkiner diese Sprache. Wenn sie Französisch sprechen, haben sie einen ganz starken Akzent. Daher hatte ich am Anfang grosse Schwierigkeiten die Menschen zu verstehen. Die Verständnisschwierigkeiten legten sich rasch. Schlussendlich nahm ich sogar selber ihren Akzent an.

Wie sah deine Freizeit aus?

Arbeit und Freizeit sind in Afrika zeitlich nicht voneinander getrennt, wie man es bei uns kennt. Man arbeitet den ganzen Tag ein bisschen und doch hat man irgendwie den ganzen Tag frei. Für uns Europäer ist dies am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig. Ich hatte nie das Gefühl zu viel arbeiten zu müssen. Im Gegenteil, ich habe oft eine Beschäftigung gesucht und diese meist im Spiel mit den Kindern gefunden.

Hattest du guten Kontakt mit Einheimischen?

Mein Kontakt mit den Einheimischen war sehr gut. Leider beschränkte sich mein Bekanntenkreis auf die Menschen in meinem Projekt. Da das Waisendorf von Nonnen eines katholischen Ordens geführt wurde, lernte ich viele andere Ordensschwestern kennen. Auch mit manchen Pflegemüttern konnte ich enge Freundschaften aufbauen.

Hattest du Kontakt mit Daheim?

Ja, ich schrieb E-Mails und telefonierte über Skype.

Mit welchen Erwartungen und Wünschen bist du ins Ausland gegangen?

Ich wollte die Faszination Afrika entdecken, sehen und erleben, wie die Menschen dort ihr Leben meistern. Ausserdem wollte ich Antworten auf viele Fragen finden, die sich mir im Zusammenhang mit diesem aussergewöhnlichen Kontinent stellten. Und nicht zuletzt wollte ich helfen, um wenigstens einen kleinen Beitrag im Kampf gegen die Armut zu leisten. Besonders im letzten Punkt wurde ich ein wenig enttäuscht. Ich brauchte einige Zeit bis ich erkannte, dass mein Einsatz zu kurz war, um wirkliche Hilfe zu leisten. Projekte in der Entwicklungshilfe sind von langer Dauer. Ich musste zuerst akzeptieren, dass sie fast mehr für mich taten als ich für sie tun konnte. Schliesslich erkannte ich, dass ich ihnen dafür sehr viel Immaterielles geben konnte.

Hast du auch schlechte Erfahrungen während deines Auslandaufenthaltes gemacht?

Ich hatte mit der enormen Armut und ganz besonders mit den extrem traurigen Geschichten der Kinder im Waisendorf zu kämpfen. Die Kinder waren sehr fröhlich und aufgeweckt, obwohl sie meist einen sehr tragischen, sozialen Hintergrund hatten. Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt. Es ist bedenklich, wie schnell sich ein Mensch an fast alle Situationen gewöhnen kann. Ansonsten machte ich glücklicherweise ausnahmslos positive Erfahrungen.

Wenn es Schwierigkeiten gab, an wen hast du dich gewandt?

Waren es Probleme vor Ort konnte ich mich an die Leiterin des Waisendorfes oder an meine neuen Freundinnen wenden. Waren es persönliche Probleme, welche die Menschen dort nicht verstehen konnten, kontaktierte ich meine Familie und Freunde zu Hause.

Inwiefern hat dich deine Auslanderfahrung verändert?

Ich bin selbstständiger und auch selbstbewusster geworden. Ausserdem sehe ich viele Dinge, besonders unseren materiellen Wohlstand, heute mit anderen Augen.

Hast du Tipps für Leute, die ins Ausland gehen möchten?

Genügend Informationen einholen und dann aufbrechen! Soviele Eindrücke wie möglich aufsaugen, denn die Zeit geht meistens schneller vorbei als man denkt.

Was ist deiner Meinung nach sehr typisch für Burkina Faso?

Die Menschen in Burkina Faso sind sehr friedlich und ruhig.

Was hat dich an diesem Land überrascht?

Wie die meisten Menschen ihre Situation einfach hinnehmen und passiv sind. Ausserdem haben die Afrikaner ein völlig falsches Bild von Europa. Es ist schwierig, ihnen die Aspekte unseres Lebens zu beschreiben. Die Leute in Burkina Faso leben in einer komplett anderen Welt.

Hat dir deine Auslanderfahrung Lust auf weitere Reisen gemacht?

Ja unbedingt!!

 

Mehr Informationen zum Liechtensteinischen Entwicklungsdienst findest du unter www.led.li