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Sie sind hier:StartseiteARBEITSoziale EinsätzeErfahrungsberichteNoemi Pfister in Belgien

Noemi Pfister in Belgien

"Von den alten Menschen habe ich erfahren, wie das Leben früher war". Mit 22 Jahren ging Noemi für 6 Monate nach Belgien.

Warum hast du dich für einen Auslandsaufenthalt entschieden?

Nachdem ich nach der Realschule eine Lehre abgeschlossen hatte, wollte ich mal etwas von der Welt sehen! Ich wollte eine Fremdsprache erlernen und eine andere Kultur live erleben.

Warum fiel deine Wahl auf einen Freiwilligendienst in Europa?

Ich wollte nicht nur einen Sprachkurs besuchen, sondern in einem fremden Land arbeiten und richtig mit den Menschen dort leben. Ich denke, so erweitert man seinen Wortschatz auf eine andere, intensivere Weise. Ein Freiwilligendienst bietet sich dafür sehr gut an. Der Auslöser dafür, dass ich mich für den EFD beworben habe, war unter anderem, dass man durch die EU-Förderung sehr günstig reisen kann.

Nach welchen Kriterien hast du deinen Freiwilligendienst ausgesucht?

Auf der Online-Datenbank vom EFD kann man sich über die aktuellen Projekte informieren und nachsehen, in welchem Land sie stattfinden. Ich entschied mich für ein sechsmonatiges Projekt in Belgien, bei dem ich als Allrounderin in einem Altersheim arbeitete. Ich schätze den Umgang mit der älteren Generation sehr und dachte, dass es auch eine gute Möglichkeit ist, meine Sprachkenntnisse anzuwenden und zu verbessern. Ältere Menschen haben oft Zeit, um zuzuhören und schrecken auch nicht davor zurück, mich zu verbessern.

Wie war dein Tagesablauf?

Im Altersheim war ich das Mädchen für alles. Mal wurde ich für die Hausarbeit eingeteilt, mal half ich in der Küche aus oder wirkte bei der Freizeitgestaltung für die älteren Menschen mit. Einmal musste ich sogar mit dem Hausabwart die Wände streichen. Dienstags hatte ich immer den ganzen Tag Schule. So wurde mir nie langweilig!

War es einfach, mit den Leuten in Kontakt zu kommen?

Da ich in einem sehr kleinen Ort, Florenville, lebte – vergleichbar mit der Grösse von Schellenberg – war es sehr schwierig, in Kontakt mit Gleichaltrigen zu treten. Dort leben vor allem Familien mit kleinen Kindern oder ältere Leute. Die jungen Menschen studieren meist in den benachbarten Städten. Doch am Wochenende reiste ich oft nach Brüssel, wo ich viele junge Menschen kennen lernte, die ebenfalls einen Freiwilligendienst oder einen Sprachkurs machten. Da wir zusammen Französisch gesprochen haben, profitierten meine Sprachkenntnisse auch dort.

Der EFD wird vom EU-Programm Jugend in Aktion finanziert. Kamen weitere Ausgaben dazu?

Alle Kosten für die Reise, den Sprachkurs und die Gastfamilie wurden vom EU-Programm übernommen. Ausserdem bekam ich pro Monat ein Taschengeld von rund 100 bis 120 Euro. Da ich das Taschengeld vor allem am Wochenende brauchte, kamen für mich kaum zusätzliche Kosten hinzu.

Hast du das Gefühl, dass dich die Zeit im Ausland geprägt hat?

Ja, ich glaube, ich habe mich während dieses Aufenthaltes sehr verändert. Ich denke anders und bin selbstständiger geworden. Der Umgang mit einer neuen Kultur hat mich gelehrt, weltoffener zu sein. Die Belgier sind sehr gastfreundlich, wenig gestresst und nehmen alles etwas lockerer. Diese Haltung hat sicher ein bisschen auf mich abgefärbt. Auch in sozialer Hinsicht hat mich die Zeit im Ausland geprägt. Ich bin kranken Menschen und Menschen mit Gebrechen gegenüber viel toleranter geworden. Es war auch sehr spannend von den alten Menschen zu erfahren, wie das Leben früher war. Ein alter Mann erzählte mir sehr oft von seinen Erlebnissen während des 2. Weltkrieges, als Bewohner eines betroffenen Landes.

Hat dir das Jahr berufliche Vorteile gebracht?

Da ich meine Zeit oft mit alten Leute verbrachte, die mein Französisch verbesserten und sich Zeit nahmen, mir gewisse Dinge zu erklären, haben sich meine Französischkenntnisse immens verbessert. Nun spreche ich praktisch fliessend französisch. Ich denke schon, dass mir das bei der Arbeitssuche Pluspunkte gibt.

Was für Tipps gibst du Jugendliche, die einen Freiwilligendienst planen?

Man sollte sich genau überlegen, was man von diesem Aufenthalt erwartet. Ausserdem finde ich, dass es sehr viele Vorteile bringt, wenn man bei einer Gastfamilie lebt. So erlebt man die fremde Kultur und Sprache hautnah. Ich hatte leider etwas Pech mit meinen Gastfamilien und musste sie vier- bis fünfmal wechseln. Zum Beispiel bei meiner ersten Gastmutter trat plötzlich das Problem auf, dass sie aus gesundheitlichen Gründen ins Krankenhaus musste. Grundsätzlich sollte man nicht davor zurückschrecken, sich zu wehren, wenn man sich nicht wohlfühlt.