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Sie sind hier:StartseiteEUROPAErfahrungsberichteEuropäischer FreiwilligendienstJulia in Sveržov, Slowakei

Julia in Sveržov, Slowakei

Jänner bis April 2015

„Ich spreche eine neue Sprache […]“


Name: Julia Konzett
Alter: 24 Jahre
Wohnort: Feldkirch

Warum warst du im Ausland?

Bereits nach meiner Matura, im Jahr 2010,wollte ich eine zeitlang in einem anderen kulturellen und sozialen Umfeld leben, weil ich das Gefühl hatte, mich und meine (Zukunfts-)Wünsche in diesem neuen Setting besser kennenzulernen. Zudem wollte ich ausbrechen aus dem gewohnten Umfeld und mich außerhalb der starr regulierten Schul- und Arbeitswelt weiterentwickeln. Leider klappte es damals nicht mit dem Europäischen Freiwilligendienst, woraufhin ich nach Wien ging, um zu studieren. Die Sehnsucht nach Auslandserfahrungen wurde aber alles andere als kleiner, deshalb beschloss ich, nach Abschluss meines Kultur- und Sozialanthropologiestudiums es nochmal zu versuchen.

Ich interessierte mich immer schon für Gruppen der Roma, Fahrenden, Sinti oder wie auch immer sie in verschiedenen Teilen der Welt genannt werden (möchten), wodurch ich mich im Studium zum ersten Mal auf einer ernsthafteren Ebene damit beschäftigt habe. Weil das Thema auch im europäischen Diskurs aktueller nicht sein könnte, entschied ich mich, mir endlich vor Ort ein Bild von einer Roma Community zu machen und sie gegebenenfalls zu unterstützen, wo ich kann. Bezüglich meiner regionalen Präferenzen war für mich immer klar, dass ich Richtung Südosteuropa gehen möchte. Ich war schon öfter in diesen Regionen auf Reisen und liebe ihre Musik, ihre Sprachen,Mythen und kulturellen Eigenheiten. Die sozialpolitische Situation in vielen dieser Länder befindet sich in kontinuierlichem Wandel - was gibt es spannenderes, als ein Teil davon zu sein?

Wie bist du auf das Projekt aufmerksam geworden?

Ich habe verzweifelt nach einem Projekt gesucht, weil ich so schnell wie möglich nach der Uni weg wollte. Die Ausschreibung zu meinem Projekt habe ich nach Ablauf der Bewerbungsfrist im Oktober 2014 in der Datenbank, zu welcher euch das aha dann Zugang verschaffen wird, gefunden. Die Beschreibung des Projekts klang perfekt: Mithilfe in einem Gemeinschaftszentrum für Roma (größtenteils Kinder und Jugendliche) im slowakischen Osten. Der/die Freiwillige sollte die MitarbeiterInnen des Zentrums bei verschiedenen Aktivitäten, wie Nachhilfe, Freizeitgestaltung oder Computerkursen unterstützen, zudem könnte er/sie auch eigene Ideen und Vorschläge miteinbringen. Eigentlich wollte ich gerne ein wenig weiter weg von Österreich, aber die Arbeitsaufgaben in meinem zukünftigen Projekt erschienen mir dann doch gewichtiger als regionale Präferenzen. So schickte ich meine Bewerbungsunterlagen trotz abgelaufener Frist in die Slowakei, was dazu führte, dass ich dort am 31.01. von meiner Mentorin und einem Mitarbeiter vom Bahnhof abgeholt wurde.

Was hast du vor Ort gemacht?

In dem 500 Einwohner-Dorf Sveržov gab es einen Kindergarten, eine Grundschule sowie ein Gemeinschaftszentrum, wobei die letzten beiden meine täglichen Arbeitsstellen waren. Ich ging jeden Morgen um ca. 10 Uhr ins Gemeinschaftszentrum, welches 2 Minuten Fußweg von meinem Haus entfernt lag, um meinem Chef Englischunterricht zu geben oder um mich allgemein mitmeinen ArbeitskollegInnen auszutauschen. Danach ging ich meist in die Grundschule, in welcher ich der 3. und 4. Klasse (bestehend aus insgesamt ca. 10 Roma und Nicht-Roma SchülerInnen) Englischunterricht gab. Die Lehrerin stand als Unterstützung jederzeit zur Verfügung, jedoch konnte ich frei über den Inhalt und die Art der Wissensvermittlung entscheiden.

Das Mittagessen kochte ich mir immer selbst in meiner Küche. Um 13 Uhr hatte ich besonders in den ersten 1,5 Monaten Slowakischunterricht mit meiner Mentorin, welche fließend Deutsch spricht. In diesen Stunden hatte ich auch Zeit und Raum, um mit ihr über andere Dinge, die mich in der Arbeit oder allgemein in meinem EFD beschäftigen, zu sprechen. Nach dem Unterricht blieb ich bis 17 Uhr im Zentrum, welches Roma-Kinder im Alter von 6 bis ca. 15 Jahren nach Lust und Laune aufsuchen konnten. Die Palette der Beschäftigungsmöglichkeiten war riesig: Malen, Basteln, diverses Spielzeug, Bücher, Karten- und Brettspiele sowie verschiedene Outdoorspielsachen. Eine Sozialarbeiterin leitete bzw. koordinierte diese Aktivitäten und gab gegebenenfalls die Erlaubnis, den Computer nach getaner Arbeit (wie beispielsweise Hausübungen, Nachhilfe o.ä.) zu benutzen.

Meine Aufgabe war es, mit den Kindern zu spielen, sie bei Hausübungen zu unterstützen oder Nachhilfe zu geben. Oft saßen wir auch einfach nur zusammen und quatschten. Neben den Aktivitäten, die wir jeden Tag nach den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder richteten, gab es auch Fixpunkte im wöchentlichen Programm, wie der Kochnachmittag am Donnerstag, der Abend für Jugendliche am Dienstag oder meine Tanzrunde am Freitag. Grundsätzlich konnte ich mir die Bereiche, in denen ich mitwirken wollte frei aussuchen. Meine MitarbeiterInnen waren meinen Ideen gegenüber immer offen und ermutigten mich, mit ihrer Unterstützung auch eigene Projekte (wie die Tanzgruppe) durchzuführen.

Hast du Insidertipps?

Bezüglich den Transportmitteln im Land ist diese Website die Beste:www.cp.sk

Hier können Bus- und Zugverbindungen nachgeschaut werden, wobei Tickets für Züge nicht in den Bussen gelten und umgekehrt. Dementsprechend müssen sie extra gekauft werden. Wichtig ist, immer eineReservierung für Langstreckenzüge zu kaufen. Es gibt ein privates Unternehmen, welches die mit Abstandbilligsten und bequemsten Zugverbindungen bereitstellt: www.regiojet.sk

Taxis sind für österreichische Verhältnisse auch recht billig.

Ich persönlich nutze gerne Couchsurfing, wenn ich auf Reisen bin. In der Slowakei hat auch das wunderbar funktioniert. Hitchhiken (Auto stoppen) ist auch eine wunderbare Möglichkeit, billig durchs Land zu kommen. Die Leute sind wahnsinnig nett und haben meist keine Hemmungen, Fremde ein Stück mitzunehmen.

Was das Essen anbelangt, hatte ich mit einigen Herausforderungen zu kämpfen, weil ich Vegetarierin bin. Auch wenn das Gericht auf der Speisekarte fleischlos zu sein scheint - ich würde in jedem Fall nachfragen, ob es wirklich ohne Fleisch ist bzw. den/die KellerIn die Zutaten aufzählen lassen (Huhn oder Fisch wird nämlich oft nicht als Fleisch angesehen).

Das schönste in der Slowakei ist die Natur. Es gibt viele Naturschutzgebiete, zu denen man im Internet sehr einfach Informationen finden kann. Absolut empfehlenswert sind die Besichtigungen der großen und kleinen Burgen im Land. Beispielsweise auf meiner Lieblingsburg, der Spišsky Hrad fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt.

Wie sah es mit den ungefähren Kosten aus?

Die Slowakei ist für österreichische Verhältnisse wirklich sehr billig. Es empfiehlt sich, Lebensmittel in kleinen Tante Emma-Läden zu kaufen, denn in großen Supermärkten wie Billa oder Kaufland ist es vergleichbar teuer. Bier ist manchmal sogar billiger als Wasser ;) Öffentliche Verkehrsmittel sind auch sehr günstig: beispielsweise zahlt man für eine Fahrt durch das ganze Land zwischen 9 € und 20 € (zB bei regiojet.sk). In jedem größeren Ort gibt es wunderbare Second Hand Shops für Kleider, die meist ca. einen Euro kosten und super ausschauen (:

Hast du etwas verdient?

Ich habe 160 € Essensgeld zu Beginn des Monats und 95 € Taschengeld am Ende des Monats bekommen. Da ich nicht allzu viel auf Reisen war und keinen Alkohol trank oder rauchte, konnte ich sogar einiges davon sparen. Meiner Meinung nach war die "Entlohnung" absolut angemessen und ausreichend.

Nützliche Internet- oder Kontakt-Adressen?
Fürs Lernen der Sprache: http://slovake.eu/de/
Onlinewörterbuch http://desk.dict.cc/
Ansonsten siehe oben.

Was hast du von deiner Auslandserfahrung mitgenommen?

Genau wie ich es mir gewünscht hatte, habe ich einen tieferen Einblick in eine Roma Community - besonders aus der Sichtweise der Kinder – erhalten. Ich habe jetzt zwar noch mehr Fragen, als zu Beginn meines EFDs, jedoch hat sich mein Gefühl für gesellschaftliche Prozesse, wie Inklusion, Diskriminierung und ethnische Differenzierungen und der Umgang mit ihnen sehr verfeinert. Ich bewundere die Mitglieder der Roma in der Slowakei sehr und bin dankbar für die Zeit, die ich bei ihnen verbringen durfte. Allgemein habe ich viel über die Arbeit mit Kindern gelernt und wurde bestärkt in dem Wunsch, selbst als Sozialarbeiterin tätig zu sein. Viele kleine Dinge haben sich während meines Aufenthaltes in meinen Sichtweisen und meinem Verhalten verändert: Ich spreche eine neue Sprache, das Bewegen in einem neuen sozialen Umfeld fällt mir leichter, ich hatte viel Zeit, um über mich und meine Ziele nachzudenken und bin dadurch gefestigter in meiner Persönlichkeit. Außerdem kann ich nun viel besser alleine sein und weiß die Natur um mich herum mehr zu schätzen.Alles in allem bin ich sehr froh und dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben!

 

Noch Fragen?

Schreib Julia eine E-Mail: julia_konzett@hotmail.com

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