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Lena in Dilbeek, Belgien

September 2013 bis August 2014

„Ich habe dort in einem Wohnwagen gewohnt“

Name: Lena Herburger
Alter: 19 Jahre
Wohnort: Altach


Warum warst du im Ausland?
Der Wunsch, ins Ausland zu gehen, entwickelte sich ein, zwei Jahre vor der Matura. Ich war relativ schüchtern und nicht wirklich selbstbewusst, sodass ich mir ein paar Jahre davor niemals zugetraut hätte alleine ins Ausland zu gehen, wo eine andere Sprache gesprochen wird, eine andere Kultur herrscht usw.
Ich sah aber viele junge Menschen, die vom Ausland zurückkamen und so vieles zu erzählen hatten, die so viel erlebt hatten. Da dachte ich mir einfach, dass ich ebenfalls zurückkehren und der Familie und den Freunden erzählen will, was ich alles erlebt habe, wo es Schwierigkeiten gab und was kulturelle Unterschiede waren. Außerdem war es eine Chance mein Englisch zu verbessern bzw. eine neue Fremdsprache zu erlernen.
Natürlich ging es auch darum, junge Leute aus anderen Ländern kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und das Land selbst kennenzulernen.

Wie bist du auf das Projekt aufmerksam geworden?
Ich ging ins „aha“ in Dornbirn und wollte mir einfach grundlegende Informationen geben lassen, was man nach der Matura so alles im Ausland machen könnte. Erstmal wurde ich mit vielen Informationen überschüttet und lernte Möglichkeiten kennen, von denen ich noch nicht wirklich was gehört hatte.
Aus diesem ganzen Haufen musste ich mich für etwas entscheiden, ich musste herausfinden, was am ehesten zu mir passt und mir gefallen könnte. Die Hauptfrage dabei war: Will ich irgendwo in einen Alltag integriert sein oder will ich das reinste Abenteuer ohne jegliche Routine? Nachdem ich diese Frage beantwortet hatte, entschied ich mich zwischen Au-Pair und Freiwilligem Sozialem Jahr.
Das soziale Jahr fand ich schlussendlich attraktiver, da ich mir mehr Abwechslung bei der Arbeit erhoffte und leichter Kontakt mit anderen Freiwilligen knüpfen konnte.
Das Projekt habe ich dann über die Datenbank gefunden, in der alle EFD-Projekte aufgelistet sind (man erhält den Zugang von dem jeweiligen aha-Zuständigen).

Was hast du vor Ort gemacht?
Mein Projekt war ein Bio-Kinderbauernhof namens „Het Neerhof“. Ich habe dort in einem Wohnwagen gewohnt, was eine neue und sehr interessante Erfahrung war.
Zweimal in der Woche kamen Grundschulklassen aus Brüssel um mal ein wenig Landluft zu schnuppern. Die Kinder (oft mit migrantischem Hintergrund) konnten teilweise zum ersten Mal ein Schwein aus nächster Nähe sehen und streicheln, ein Huhn halten, mit Gummistiefeln im Matsch spielen. Sie lernten, dass auch weibliche Kühe Hörner haben und die Karotte in der Erde wächst. Vormittags haben wir also immer Ställe ausgemistet und um die 100 Bauernhoftiere gefüttert. Außerdem haben wir Mittagessen gekocht, mit eigenem Biogemüse.

Das Nachmittagsprogramm unterschied sich je nach Jahreszeit. Im Herbst sind wir aufs Feld, haben Kartoffeln, Zucchini, Karotten, Mais und Futterrüben geerntet, was ebenfalls eine ganz neue Erfahrung für die Kinder war.
Im Winter lernten die Kinder auf dem großen Dachboden des Hofs, was man alles mit Schafwolle herstellen kann, dafür verwendeten wir die Wolle von unseren Schafen.
Im Frühling wurden Blumen gesät und kleine Basteleien hergestellt. Im späteren Frühling kamen dann Kindergartengruppen, für die wir das Programm umstellten, da sie viel zu klein für Stallarbeit waren. Sie lernten ganz einfach die Tiere kennen, hörten sich die verschiedenen Tierstimmen an, durften die Tiere streicheln und kleine Futterhäppchen geben.
Abgesehen von dieser Arbeit, organisierten wir mehrere Feste und Projekte: Erntefest, Christbaumverbrennen, „Autistentag“, Frühlingsfest, Neerhof-Camping, Picknick, …
In den Oster- und Sommerferien fanden auf dem Hof „Kinder- und Jugendferien“ statt. Eine Woche lang kamen dann jeden Tag dieselben Kinder/Jugendlichen, man spielte Spiele und machte Basteleien zu einem bestimmten Thema. Die Gruppen wurden von sogenannten Monitoren begleitet, die alle ungefähr in meinem Alter waren. Dadurch gestalteten sich die Feierabende auch nett, weil man oft noch was gemeinsam unternahm.
Abgesehen von meiner Arbeit, habe ich sehr viele andere Freiwillige aus ganz Europa kennengelernt. Wir haben viele Ausflüge gemacht, ich habe andere Projekte kennengelernt, bin viel gereist und habe somit auch außerhalb der Arbeit das Leben genossen.
Mein Englisch hat sich, denke ich, schon ein wenig verbessert, aber vor allem habe ich Niederländisch gelernt, was ich jetzt so gut wie fließend spreche.

Hast du Insidertipps?
1) Also Belgien ist ja für die ungesündesten Sachen bekannt – Bier, Pralinen, Waffeln und Pommes. Wer mal nach Brüssel kommt, sollte diese vier Köstlichkeiten auf jeden Fall probieren!
2) Wenn man innerhalb Belgiens unterwegs ist, ist der „Go-Pass“ eine sehr günstige Angelegenheit, um von A nach B zu kommen. Man kann mit dieser Fahrkarte um 5 € von einem Ende Belgiens zum anderen fahren, es ist also sehr günstig. Was diesbezüglich aber zu beachten ist: Wenn man am Wochenende fährt, lohnt es sich am Schalter zu fragen, wie viel ein Weekend-Ticket kostet, je nach Distanz, ist dieses Ticket dann billiger als der Go-Pass und man kann an zwei verschiedenen Tagen fahren.
3) Günstig übernachten kann man via Couchsurfing, was ich auf meinen Reisen ins Ausland viel genutzt habe.
4) Bezüglich Sehenswürdigkeiten: In Brüssel selbst gibt es den Kunstberg oberhalb der Stadt mit mehreren interessanten Museen. Man sollte sich unbedingt das Maskottchen „Manneken Pis“ ansehen. Dieser kleine pinkelnde Junge befindet sich im Stadtzentrum. Das Wahrzeichen Brüssels ist das Atomium, etwas außerhalb.
5) In Belgien hat mir die Studentenstadt Gent sehr gut gefallen, auch Brügge in der Nähe der Nordsee ist wunderschön, wobei dieses mittelalterliche Städtchen wegen den vielen Touristen wie ein einziges Museum wirkt.
6) In Wallonien, dem französischsprachigen Teil Belgiens, gibt es vor allem einige Wandermöglichkeiten. Für Geschichtsinteressierte könnte die Gegend um Ieper sehr interessant sein, da diese im 1. Weltkrieg eine wichtige Rolle spielte.

Wie sah es mit den ungefähren Kosten aus?
Ich bekam 105 € Taschengeld im Monat. Wenn ich einkaufen ging, konnte ich die Belege abgeben und bekam sie zurückbezahlt. Außerdem bekommen die Freiwilligen die Familienbeihilfe ausbezahlt.
Dann wurden noch ein großer Teil der Hin- und Rückfahrt bezahlt sowie der Weg zum Projekt (was bei mir nicht nötig war) und der Weg zum Sprachkurs.

Hast du etwas verdient?
Also vom Taschengeld ist nicht viel übrig geblieben, da durch die Verkehrsmittel doch was zusammen kam und ich ja auch viel in andere Länder ging.
Von der Familienbeihilfe ist jedoch fast alles noch übrig, sodass ich indirekt doch was „verdient“ habe.
Meiner Meinung nach ist es mehr als genug und im Grunde arbeitet man ja freiwillig.

Nützliche Internet- oder Kontakt-Adressen?
Innerhalb Belgiens plante ich so meine Fahrten mit dem Zug: http://www.bahn.de/p/view/index.shtml

Couchsurfing = gratis schlafen bei Wildfremden: https://www.couchsurfing.org/

Buslinie in Flandern: http://www.delijn.be/de/

Immer nützlich und oft verwendet – google maps: https://www.google.at/maps/preview

In wie weit hat dich deine Auslandserfahrung verändert?
Ich bin selbstbewusster geworden, weiß jetzt viel besser wie man auf andere Menschen zugeht, speziell auf Menschen aus anderen Kulturen und mit anderen Sprachen. Vorher hatte ich davor noch großen Respekt, mittlerweile finde ich es einfach interessant.
Verändert hat sich mein Sprachschatz – ich spreche eine Fremdsprache mehr. Und fachlich habe ich natürlich ebenfalls dazu gelernt – über Tiere und natürlich auch etwas im Umgang mit Kindern. Außerdem haben die Arbeit und die Erfahrungen dazu beigetragen, dass ich mich dafür entschieden habe, mit Kindern in diesem Alter weiterzuarbeiten.


Noch Fragen?
Schreib Lena eine E-Mail: lena.herburger@gmx.at

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