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Florian in Accra, Ghana

Sommer 2012 und 2013

„Man lernt einfach die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.“

Name: Florian Bernhart
Alter: 20 Jahre
Kommt aus: Frastanz

 

Wann und wo warst du im Ausland?
Ich war bereits zwei Mal in Ghana, Westafrika. Genauer gesagt war ich im Sommer 2012 und im Sommer 2013 für jeweils ein paar Monate in Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Warum warst du im Ausland?
Ich wollte nach der Matura einfach die Welt ein wenig entdecken: Raus aus Österreich und andere Kulturen und Lebensweisen kennen lernen. Jedoch wollte ich nicht als typischer Tourist verreisen und einen Badeurlaub oder eine Städtereise machen, sondern meiner Reise einen sinnvollen/sozialen Aspekt geben.
Wichtig war mir ebenfalls das Land und die Kultur so realitätsnah wie nur möglich zu erleben – im Auge hatte ich somit kein 5-Sterne Hotel, sondern das Wohnen und Arbeiten inmitten von Einheimischen. Das Land so zu erleben, wie es wirklich ist, und dabei etwas Gutes tun – das war mein Wunsch.
Somit arbeitete ich ehrenamtlich für ein paar Monate als Lehrer in einer Volksschule für Kinder und Waisenkinder aus armen Verhältnissen. Den Kindern wird hier eine kostenlose Schulausbildung ermöglicht, die sie sich sonst nicht leisten könnten.

Wie bist du auf das Projekt aufmerksam geworden?
Aufmerksam auf das Projekt wurde ich durch die Wiener Organisation „Boa Woyonko“. Boa Woyonko vermittelt kostenlos Volontäre an verschiedene Bildungsprojekte in Ghana. Ich entschied mich dann schlussendlich für die vorhin erwähnte Volksschule, bei der es sich genauer gesagt um eine NGO mit dem Namen „Mawuvio‘s Outreach Programme“ handelt.

Was hast du vor Ort gemacht?
Ich war direkt in der Schule als Lehrer tätig. Hierbei habe ich eine Schulklasse von ca. 10 Kindern im Alter von 6 bis 9 Jahren selbstständig in den Fächern Englisch, Mathematik und Sachunterricht unterrichtet. Neben dem Unterrichten gab es auch noch andere „für Lehrer typische“ Aufgaben: Hausübung schreiben,
Hausübung korrigieren, Tests zusammenstellen und korrigieren, Zeugnisse schreiben usw. Ansonsten habe ich noch ein paar administrative Arbeiten im Büro erledigt.
Des Weiteren half ich bei verschiedenen Freizeitveranstaltungen für die Kinder mit, wie z.B. Fußball spielen, Schmuck herstellen und Besuche in der örtlichen Bücherei.

Hast du Insidertipps?
Günstige Übernachtungen lassen sich eigentlich so gut wie überall finden. Eine vorherige Erkundigung über die landesüblichen Preise schadet trotzdem nie, da man sonst gerne einmal als Mensch mit weißer Hautfarbe übers Ohr gehauen wird. Das preiswerteste Transportmittel ist das Trotro, eine Art Sammeltaxi, mit dem man überall sehr günstig hinkommt. Jedoch heißt es hier warten bis das Auto voll ist – selbst wenn es 2 Stunden dauern kann.
Sehenswürdigkeiten gibt es in Ghana einige: ehemalige Sklavenburgen, Wasserfälle, Nationalparks mit Elefanten, Krokodilen, Affen, …., die schönen Strände, den Regenwald, Seen und natürlich kleine idyllische Dörfer. Es gibt einen sehr, sehr guten Reiseführer für Ghana vom Peter Meyer Verlag.

Wie sah es mit den ungefähren Kosten aus?
Ich hatte sämtliche Kosten selbst zu tragen. Unter anderem: Flug (ca. 500-700€), Versicherung (ca. 200€), Visum (80€), Verpflegung (ca. 100€/Monat), Reisen innerhalb des Landes und vieles mehr. Die Unterkunft sowie Wasser, Strom und Internet wurden von der Schule gratis zur Verfügung gestellt. Zur kurzen Übersicht: Meine erste Reise nach Ghana kostete insgesamt ca. 2000€ (für 2,5 Monate) und meine zweite ebenfalls ungefähr 2000€ (3,5 Monate). Aber natürlich hängt dies stark von einem persönlich ab, wie oft man sich etwas gönnt, ob man viel im Land herum reist und vieles mehr.

Hast du etwas verdient?
Nein. Die Schule, in der ich gearbeitet habe, wird ausschließlich über Spendengelder finanziert. Hiermit werden die Gehälter der
ghanaischen Lehrer bezahlt, Unterrichtsmaterialien gekauft, das
Mittagessen der Schüler finanziert und momentan gerade ein neues
Schulgebäude errichtet. Das hier kein Geld übrig ist um Freiwillige
zu bezahlen, sollte klar sein.
Außerdem gibt es meiner Meinung nach viel Wertvolleres als Geld
bei so einem Einsatz: Die strahlenden Augen und die Dankbarkeit,
die man von allen Beteiligten erfährt. Das Wissen etwas Gutes getan zu haben lässt sich nicht mit allem Geld der Welt aufwiegen.

Nützliche Internet- oder Kontakt-Adressen?
Einerseits die Homepage der Organisation Boa Woyonko, an die man sich jederzeit gerne wenden kann,
wenn man an solch einem Einsatz in Ghana interessiert ist:
https://www.bwvolunteers.org

Andererseits die Homepage von Mawuvio‘s Outreach Programme, für alle die einen Einblick in die Schule, in der ich unterrichtet habe, bekommen wollen:
http://www.mawuviosoutreachprogramme.org

Außerdem: Für Ghana gibt es einen sehr, sehr guten deutschsprachigen Reiseführer, in dem so gut wie
alles über das Land, Kultur, Sehenswürdigkeiten etc. steht:
http://www.petermeyerverlag.de/ghana2.0.html

Wer irgendwelche Fragen hat, kann sehr gerne auch mich jederzeit per E-Mail kontaktieren.

In wie weit hat dich deine Auslandserfahrung verändert?
Um es kurz zu fassen: Sie hat mich sehr stark verändert. Man lernt einfach die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Man erfährt wie andere Menschen auf der Welt leben und man wird mit Themen wie Armut und Ungerechtigkeit direkt konfrontiert. Aber man sieht auch wie glücklich Menschen sein können, trotz ihrer zum Teil hoffnungslosen Situation. Es wird einem klar was für ein Glück man hat, auf der „reichen Hälfte“ der Erde geboren zu sein und all die Privilegien täglich zu genießen.
Was ich jedoch am meisten schätze: Man fängt an sich selbst zu reflektieren und zu hinterfragen.

 

Noch Fragen?
Schreib Florian eine E-Mail: florian-bernhart@hotmail.com