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Melanie in Mosambik

Jänner bis Juni 2011

„Ich schöpfe jetzt noch sehr viel Kraft aus dieser Erfahrung!“

Name: Melanie Klien
Alter:
24 Jahre
Kommt aus:
Hohenems


Warum gerade dieses Land?
Ich fand Afrika sehr spannend. Die Auslandshilfe der Caritas Vorarlberg bietet Einsätze in Äthiopien und Mosambik an. Ich habe mich für Mosambik beworben, da ich die Einsatzstelle sehr spannend fand, genauso wie die Sprache (in Mosambik ist Portugiesisch Amtssprache) und das Land selbst.

Wie hast du die Stelle als Freiwillige gefunden?
Ich war zuerst auf der Suche nach einer Organisation, die Freiwilligeneinsätze anbietet. Über einen Freund wurde ich zufällig auf ein Projekt in Mosambik aufmerksam, welches die Firma bei der er arbeitet in Zusammenarbeit mit Marianne Brugger unterstützt.

Durch sie erfuhr ich, dass die Caritas Auslandshilfe ebenfalls bei diesem und noch weiteren Projekten dabei ist. Weitere Informationen über die Caritas erhielt ich durch die Wann & Wo und auf der Caritas Website.

Wie sah der Ablauf aus, um bei dem Freiwilligenprogramm teilzunehmen (Bewerbungsgespräch, Vorkenntnisse)?
Ich war leider beim Informationsabend der Caritas Auslandshilfe nicht dabei. Dort bekommt man normalerweise ein paar gute Einblicke, hat die Möglichkeit mit ehemaligen Freiwilligen zu sprechen und kann mehr über den Ablauf erfahren. Ich hatte also gleich das  Bewerbungsgespräch in der Caritas.

Nach der fixen Zusage wurde ich dann später auf das Vorbereitungsseminar in Frastanz eingeladen, das im Juli stattfand. Bis zu meinem Einsatz im Jänner blieb so noch genügend Zeit mich mit Impfungen und so weiter vorzubereiten.

Impfungen notwendig?
Ja. Ich habe für die Impfungen über eine  Kooperation mit der Caritas einen Preisnachlass bekommen.

Reiseversicherung abgeschlossen? Wenn ja, wo?
Ich war über die Caritas auslandskrankenversichert.

Mit welchen Erwartungen/Vorurteilen/Wünschen bist du ins Ausland gegangen?
Ich ging mit wenigen Erwartungen in das Land. Mein einziger Wunsch war, dass ich vor Ort glücklich bin mit dem was ich tue. Ich wollte etwas Sinnvolles machen und andere Menschen damit glücklich machen.  

Wurden sie erfüllt?
Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Ich kann sagen, dass ich es geschafft habe, Menschen, vor allem aber auch Kinder, glücklich zu machen. Ich selbst war überglücklich zu sehen, dass meine Arbeit so geschätzt wird und ich Teil der Gemeinschaft bin, auch jetzt noch. Meine Zeit in Mosambik war eine sehr prägende Zeit und ich habe viel gelernt und schöpfe noch jetzt Kraft daraus.

Was hast du vor Ort gemacht?
Ich war im Tageszentrum für Aidswaisen bzw. Kinder und Jugendliche, die zu Hause vernachlässigt werden. Dieses Projekt wurde von den Schwestern des „Kostbaren Blutes“ aufgebaut. Diese Schwestern sind für alle Tageszentren zuständig. In meiner Einsatzstelle habe ich Englisch unterrichtet, Computerunterricht gegeben, bei Hausaufgaben geholfen, Essen ausgeteilt, gespielt und noch viele andere Sachen gemacht.

Wo hast du gewohnt?
Ich habe in der Hauptstadt Maputo gewohnt, bei einer mosambikanischen Familie.  

Hattest du auch schlechte Erfahrungen während deinem Auslandsaufenthalt?
Teils fiel es mir schwer die Kultur zu verstehen, zum Beispiel wie grob Kinder unter sich umgehen oder wie die Menschen auf dem Land Tiere behandeln. Auch mit der Familie war es nicht immer ganz einfach. Ich wurde leider auch bestohlen und meine Kamera war weg. Mit der mosambikanischen Polizei ist es leider sehr schwer und es wurde nichts herausgefunden.

Aufpassen muss man in Maputo in der Baixa, vor allem abends sollte man sich nicht ohne Auto bewegen. Auch unter Tag ist es wichtig auf seine Tasche aufzupassen und den Pass bzw. eine Kopie sollte man immer dabeihaben. Die Polizisten machen bei Weißen gerne Passkontrollen, vor allem wenn man alleine unterwegs ist.

Alles in allem überwiegen aber die positiven Erfahrungen, die ich gemacht habe. Fremde Frauen, die mir im Dorf begegnen, die mich umarmen und mir zu meiner Arbeit mit ihren Kindern gratulieren. Sie erzählen mir, dass ihre Kinder beim Abendessen nur noch von Tia Melanie schwärmen und mir wird richtig warm ums Herz. Kinder, die mir Briefe schreiben und mich anschauen und ‚Danke‘ sagen. Herzliche Umarmungen von Bekannten - eine unbeschreiblich schöne Erfahrung!

Wenn es Schwierigkeiten gab, wie hast du sie gelöst und an wen hast du dich gewendet?
Ich hatte sehr starken Kontakt zu der Schwester, die für mich verantwortlich war. Sie war mir immer eine große Hilfe. Ich habe einige gute Freunde gewonnen, die mir in der Not auch immer zur Seite standen und ich bin auch jetzt noch mit ihnen in Kontakt.

Wie sah deine Freizeit aus?
In meiner Freizeit traf ich mich mit Freunden, die bei mir in der Nachbarschaft wohnten. Wir besuchten Konzerte im Franco-Mocambicano, in dem wir uns Marrabenta – die typische mosambikanische Musik – anhörten und die Tänze dazu anschauten. Ich besuchte Familienangehörige bzw. Freunde zu Hause in der Stadt und auf dem Land,  feierte mit ihnen Geburtstage, eine Hochzeit auf dem Land war auch dabei und ab und zu fuhren wir an einen Strand und gingen baden.

Hattest du guten Kontakt mit Einheimischen und hast du Freunde gefunden?
Ja. Ich lernte die Sprache relativ schnell, anfangs war es natürlich eher schwer und so verbrachte ich die ersten zwei Wochen abends immer damit Vokabeln und Grammatik zu lernen – was sich wirklich gelohnt hat. Ich habe so sehr schnell Freundschaften geknüpft und hatte nur Mosambikaner in meinem Freundeskreis. Natürlich erleichterte die Sprache auch die Zusammenarbeit im Zentrum mit den Tanten und den Kindern.

Auf welche Sprache hast du dich bevorzugt unterhalten?
Auf Portugiesisch. Zum Spaß sprach ich manchmal den Dialekt der Region, Xangana. Dies hauptsächlich nur mit älteren Menschen im Dorf Massaca. Aber leider reichen meine Kenntnisse nicht für eine richtige Unterhaltung aus.

Hast du die Landessprache gelernt? Wenn ja, wie?
Ohne Portugiesisch kommt man in Mosambik wirklich nicht weit. Ich habe anfangs viele Vokabeln gelernt und wurde so von Tag zu Tag besser. Ich ging nie in eine Schule und die Sendungen im Fernsehen waren zu schwer zu verstehen. Also ging ich auf die Straße und verbrachte viel Zeit mit Freunden und so lernte ich dann die Sprache.

Wie ging es dir mit den kulturellen, gesellschaftlichen und sonstigen Unterschieden?
Das war nicht immer ganz einfach, vor allem auch die Unterschiede Stadt/Land zu sehen. Viele Tabus bzw. Regeln auf dem Land wurden in der Stadt belächelt und galten nicht, andere wiederum wurden auch eingehalten. Ich habe mich gut angepasst und die Regeln akzeptiert. Schwieriger war es aber wie die Kinder teilweise – für uns ‚aggressiv‘ – miteinander umgingen. Und natürlich auch die Tatsache, dass die Kinder undiszipliniert sind und oft nur Xangana sprechen und man sie zwingen muss Portugiesisch zu sprechen. Das war nicht immer ganz so einfach damit umzugehen.

Hattest du einen so genannten „culture shock“?
Ja, ein wenig schon. Mir machte es zu schaffen so viele Sterbefälle mitzubekommen und auch die HIV kranken Eltern der Kinder zu sehen. Mit solchen Sachen konnte ich nicht sehr gut umgehen. Mit der Zeit lernt man es aber – vor allem von meinen mosambikanischen Freunden habe ich viel gelernt. Es sind sehr tapfere Menschen und es ist nur zu bewundern wie sie ihr Leben meistern.

Hast du Tipps für andere Jugendliche, die ins Ausland oder speziell in das Land, in dem du warst, gehen möchten (spezielle Tipps für Übernachtungen, Transport, Ernährung,…)?
In Mosambik spielt sich der ganze Transport über Chapas ab, kleine Busse in die so viele Leute wie möglich gestopft werden. Eine einfache Chapa Fahrt in Maputo kostet 5 Meticais. Am hilfreichsten ist es immer nachzufragen, ob man in die richtige Richtung fährt. Das ist anfangs alles sehr chaotisch und unüberschaubar, aber mit der Zeit weiß man genau wo sich die Haltestellen (die fast nie gekennzeichnet sind) befinden.

Ein wichtiger Tipp für Massaca: Eine eigene, große Wassertrinkflasche von Maputo mitbringen, da das Wasser in Massaca das Schlechteste in der Gegend ist. Es wird aus dem Fluss getrunken und dieser hat schlechteres Wasser als die umliegenden Dörfer wie Impaputo oder Namaacha. Hier besteht erhöhte Infizierungsgefahr durch Bakterien.

Wie sah es mit den ungefähren Kosten aus?
Ich habe pro Monat etwa 130 Dollar an meine Familie bezahlt und sonst noch etwas Geld benötigt für den Ausgang und Ausflüge. Das Leben auf dem Land ist sehr günstig und eigentlich benötigt man nur für Ausflüge etwas mehr. Es lohnt sich auf alle Fälle vor dem Einsatz eine Zeit lang zu arbeiten, sonst wird es schwierig sich die Zeit in einem anderen Land zu finanzieren.

Hast du etwas verdient?
Nein.

Welche Vorbereitungen wären nützlich bevor man die Reise in dieses Land antritt?
Alle Impfungen zu machen und eventuell mit Personen sprechen, die das Land schon bereist haben. Eine Portugiesisch Vorbereitung ist sehr empfehlenswert.

Was sollte man auf keinen Fall vergessen einzupacken?
Medikamente (insbes. auch für Durchfall), Malaria Standby, eine Taschenlampe (ich hatte eine kleine, die ich an den Schlüsselanhänger hängen konnte – ich habe sie sehr oft benützt), einen Flaschenöffner (viele Mosambikaner öffnen ihre Flaschen mit den Zähnen da sie nichts anderes haben), Shampoo (in den kleinen Dörfern gibt es keines), kleine Festplatte bzw. USB um Fotos zu speichern.

In wie weit hat dich deine Auslandserfahrung verändert?
Ich glaube vieles hat mich unbewusst verändert. Ich bin glücklicher und schätze alles noch viel mehr als zuvor. Ich habe durch die mosambikanische Kultur eine viel stärkere Wertschätzung gegenüber älteren Menschen erhalten. Ich finde hier in Österreich wird älteren Menschen oft nicht mehr der gebührende Respekt entgegengebracht. Das ist in Mosambik noch ganz anders. Ich schätze sehr, dass ich hier noch von einigen älteren Menschen umgeben sein darf, denn in Mosambik kenne ich kaum jemanden in meinem Alter, der noch Großeltern hat.

Ich bin glücklicher und zufriedener mit mir selbst geworden. Und ich schöpfe jetzt noch sehr viel Kraft aus dieser wertvollen Erfahrung und kann sagen, dass meine Persönlichkeit in allen Bereichen gestärkt wurde.

Was bringt dir die Auslandserfahrung für die Zukunft?
Für meine Zukunft bringt es mir viel, da ich weiterhin aus dieser Persönlichkeitsbereicherung lernen darf. Außerdem unterstütze ich weiterhin mit Spenden das Projekt und setze alles daran, dass ‚meine‘ Kinder eine bessere Zukunft haben.

Hast du neben deiner Zeit als Freiwillige auch noch andere Auslandserfahrungen? Wenn ja, welche?
In 2007 verbrachte ich aufgrund meines Studiums mein Auslandsemester in Kentucky, USA und lernte dort sehr viele internationale Freunde kennen.

Hast du weitere Pläne ins Ausland zu gehen? Wenn ja, wie sehen deine Pläne aus?
Derzeit nicht. Ich reise sehr viel aufgrund meiner internationalen Freunde und habe das auch neben dem Beruf weiterhin vor.

Noch Fragen?
Schreib Melanie eine E-Mail: melanie_klien@hotmail.com

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