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Natalie in Glasgow, Schottland

seit September 2012

Natalie studiert seit September 2012 in Glasgow, Schottland

„Heute fühle ich mich aufgeschlossener, kontaktfreudiger, selbstbewusster und vielleicht noch abenteuer- und reiselustiger.“

Name:
Natalie Bereuter 
Alter:
20 Jahre
Kommt aus:
Feldkirch



Warum warst du im Ausland?
Ich habe mich für ein vierjähriges Vollzeitstudium im Ausland entschieden, genauer gesagt in Schottlands größter Stadt Glasgow. Was mir nämlich immer noch kaum einer glaubt: Als EU-Bürger kann man in Schottland studieren ohne die sonst immensen britischen Studiengebühren zu zahlen (EU-Recht sei Dank!).
Zuerst wollte ich mit der Bewerbung an britischen Universitäten einfach meine Möglichkeiten offen halten. Erst als ich schon mitten im Bewerbungsprozess war, habe ich mir richtige Gedanken darüber gemacht und fand, dass es das Richtige für mich ist nach Schottland zu gehen.
Einer meiner Hauptgründe, im Ausland zu studieren, war definitiv meine Studienwahl. Ich studiere jetzt Politikwissenschaften mit Schwerpunkt auf Internationale Beziehungen und dies lässt sich eben besonders gut verknüpfen mit einem Leben als internationaler Student an einer Universität in Großbritannien, bei der man Studenten aus aller Welt trifft. Außerdem wollte ich natürlich mein Englisch perfektionieren und konnte auch u.a. mein Französisch noch weiter pflegen, aufgrund des besonderen Unisystems in Schottland, das großen Wert auf Nebenfächer legt.

Wie hast du den Platz auf der Uni bekommen?
Wer sich an britischen Universitäten bewerben will, sollte vor allem früh genug dran sein. Die Bewerbungsfrist ist nämlich für die meisten Fächer schon im Jänner für den Studienbeginn im darauf folgenden Wintersemester zu ende (die Frist für u.a. Medizin bzw. auch generell für Oxford und Cambridge ist schon im Oktober). Ich habe mich damals im späten Sommer vor meinem Maturajahr erstmals damit beschäftigt und musste dann rasch mit der Bewerbung anfangen.
Das Bewerbungsverfahren verläuft meist alles online über die ucas-Internetseite (unten angeführt). Man kann sich da für einen Bachelorstudium für höchstens 5 Universitäten in ganz Großbritannien bewerben. Dafür zahlt man eine Bearbeitungsgebühr von rund 20 Pfund, das sollte also nicht der Knackpunkt sein. Bei der Bewerbung zählt natürlich das Maturazeugnis. Wenn man, wie ich, erst im Maturajahr ist, kann man die Noten natürlich noch nicht angeben und bekommt dann von den Universitäten zuerst ein “conditional offer“, das erst bei Vorlage des gewünschten Maturanotenschnitts zu einer fixen Zusage umgewandelt wird. Die ungefähren Notendurchschnitte, die die Universitäten verlangen, kann man auf ihren Internetseiten nachsehen (es ist teils für Deutschland angegeben und im Zweifelsfall würde ich einfach die Uni anschreiben) und das variiert schon gewaltig je nach Universität. Der persönlichste Teil der Bewerbung ist das “personal statement“, das 4000 Zeichen nicht überschreiten darf und an dem man solange wie möglich feilen sollte. In diesem Schreiben geht es einerseits um die schon gesammelte Erfahrung, aber es sollte vor allem die Wissbegierde und die Motivation, das Fach unbedingt studieren zu wollen, widerspiegeln. Ich habe mir da unzählige solcher Statements im Internet durchgelesen… Weiters wird eine Referenz benötigt, die normalerweise von einem Lehrer geschrieben wird. Der Großteil der österreichischen Lehrer hat noch nie eine Referenz für eine ucas-Bewerbung geschrieben, deshalb habe ich mich damals mit meinem Lehrer zusammengesetzt und wir haben den Aufbau etc. gemeinsam besprochen – das war sicherlich eine gute Idee. Eine Englischprüfung wie z.B. Toefl oder CAE/CPE wird bei manchen britischen Universitäten auch vorausgesetzt, ich musste beispielsweise das CAE mit Note B bestehen, um an der Universität Glasgow angenommen zu werden. Gleich wie die Matura, ist es auch möglich, den Englischtest erst nach der Bewerbungsabgabe im Jänner abzulegen.

Bei der online-Bewerbung muss man dann nur noch weitere Details über sich selbst preisgeben und schlussendlich abschicken. Antworten der Universitäten bekommt man dann so zwischen Februar und April und kann dann, je nachdem wie viele Zusagen man bekommen hat, eine Universität als “firm choice“ und eine als “conditional choice“ festlegen. Das trifft zumindest auf all diejenigen zu, die eine “conditional offer“ bekommen haben, da vielleicht noch das Maturazeugnis oder die Englischprüfung ausständig war. Schlussendlich habe ich dann den Notenschnitt und auch den Englischtest geschafft und wusste Ende Juli 2012 fix, dass ich in Glasgow angenommen war.

Was hast du vor Ort gemacht?
Ich studiere in Glasgow, wie jeder andere schottische Student. Neben Vorlesungen wird an britischen Universitäten generell viel Wert auf Tutorials gelegt. Das sind Kleingruppen von ca. 10 Leuten und einem Tutor (also meist ein PhD Student) und mündliche Mitarbeit zählt da oft auch mit zur Note. Neben den Stunden an der Universität, bin ich immer mit Leselektüre zugedeckt und muss viele Essays schreiben. Deshalb verbringe ich auch viel Zeit in der Unibibliothek, die mit über 2,5 Millionen Büchern zu den größten Europas zählt.
Wenn man von den stressigen Prüfungsphasen im Dezember und Mai absieht (ja, das Studienjahr ist etwas verschoben), dann sollte man normalerweise auch ein bisschen Freizeit genießen können. Glasgow ist die zweitgrößte Shoppingstadt in Großbritannien - nach London natürlich - und wird als die “UNESCO City of Music“ bezeichnet und lädt mit unzähligen Parks zum Verweilen ein (sollte sich die Sonne doch mal blicken lasse). Britische Unis bieten traditionell gute Unterhaltung mit ihren unzähligen „Societies“ (das sind Vereine). Meine Uni, die University of Glasgow, ist da mit ihren über 120 „Societies“ keine Ausnahme. Einerseits hat glaube ich jedes Fach mindestens eine Society, aber man kann auch mit der “International Society“ Schottland bereisen oder zum Beispiel mit der “Cheese Society“ Käse verköstigen!?

Wie hast du dich dafür vorbereitet?
Die Bewerbung an sich hat mich eigentlich schon sehr auf das Auslandsstudium vorbereitet. Das ganze Jahr über habe ich dauernd Sachen, die irgendwie das Thema Auslandsstudium angeschnitten haben, gegoogelt. Das Internet ist da wirklich eine Goldgrube und als internationaler Student ist man oft darauf angewiesen, da es schwierig ist, im eigenen Land Leute zu finden, die einem weiterhelfen können. Als ich dann mein “conditional offer“ von Glasgow bekommen habe, habe ich mich bei SAAS beworben (Student Awards Agency for Scotland). Das ist die Agentur, die die Studiengebühren für schottische und EU-Studenten übernimmt. Ich habe weiter unten einen Link zur SAAS-website angegeben, an dem man die Voraussetzungen für diese Gebührenübernahme prüfen kann. Dann hatte ich meine Matura und die CAE-Prüfung und konnte mich also wenig zusätzlich aufs Studium vorbereiten. Als dann alles überstanden war und ich die fixe Zusage hatte (Ende Juli), bewarb ich mich für ein Studentenwohnheim und buchte den Flug. In Großbritannien geht fast jeder im ersten Jahr ins Studentenheim und ich möchte die Erfahrung, trotz Gefängnisatmosphäre und teils Minusgraden im Zimmer, auch echt nicht missen (vom Sozialen her ist es definitiv die beste Wahl). In Glasgow registriert man sich jedes Jahr so Mitte August für die Kurse im kommenden Jahr und so musste ich mich vor meinem offiziellen Studienbeginn online registrieren, Nebenfächer auswählen, Tutorialzeiten wählen,… Ich habe mich im Sommer davor auch schon über Bankkonten und Handydeals online informiert, würde da aber jedem empfehlen, sich erst vor Ort zu entscheiden und den Rat von Einheimischen miteinzubeziehen (es ist nicht so lustig, 5 Wochen darauf zu warten, dass das Konto nun endlich geöffnet wird!!). Soweit ich mich erinnern kann, wars das mit der Vorbereitung so ziemlich und kurz vor Abflug fühlt man sich dann sowieso total unvorbereitet ;).

Welche Art von Visum war notwendig?
Ein Visum ist glücklicherweise nicht nötig, wenn ein EU-Bürger oder Schweizer in ein anderes EU-Land zieht zum Studieren. Allgemein war ich überrascht, wie einfach es von der bürokratischen Seite her ist, im Ausland zu studieren. Es ist nur wichtig, dass man dem Finanzamt jedes Semester eine Studienbestätigung schickt, denn auch als Auslandsstudent hat man ganz normal das Recht auf Kindergeld. Auf ein zusätzliches Stipendium sollte man sich aber nicht einstellen. Man bekommt als EU-Student keine schottischen “student loans“ und trotz Zusicherung, dass ich die Voraussetzungen erfülle und dem mühseligen Zusammentragen verschiedenster Dokumente, kann ich nun auch sagen, dass einem österreichische Leistungsstipendien verwehrt bleiben. Meinen Wohnsitz musste ich nicht ändern, da mir bei der BH gesagt wurde, man kann zwei Hauptwohnsitze haben, sofern die sich in unterschiedlichen Ländern befinden.

Hast du Insidertipps?
Großbritannien ist allgemein schon etwas teurer als Österreich, das variiert jedoch ziemlich von Stadt zu Stadt. London ist ein extrem teures Pflaster, dahingegen ist Glasgow echt preiswert. Mietpreise sind zwar in Universitätsnähe schon höher als in Österreich, dafür kann man günstig Lebensmittel einkaufen und als Student die vielen “student deals“ nutzen. In Glasgow gibt es mehrere günstige Hostels und Hotels, bei denen ich meine Familie und Freunde bei Besuchen einquartiert habe. Allgemein kann ich da nur empfehlen über booking.com zu buchen, dort werden Hostels/Hotels auf der ganzen Welt geboten und man kann diese bis kurz davor gratis stornieren. Das ist jedoch nicht Glasgow-spezifisch. Den öffentlichen Verkehr finde ich in Glasgow eigentlich überteuert. Es gibt zwar eine U-Bahnlinie - die fährt einfach im Kreis - und viele Busse, diese benutze ich aber nur in Ausnahmefällen. Es rentiert sich wirklich, in Gehnähe zur Universität etc. zu wohnen und dann einfach (so wie ich) zu Fuß zu gehen oder sich vielleicht ein Rad zu beschaffen. Zum Herumreisen in Großbritannien empfehle ich Busgesellschaften wie megabus oder citylink. Megabus ist zwar vielleicht nicht bequem, dafür kann man richtige Schnäppchen machen (ich bin einmal für 10 Pfund von Glasgow nach London gefahren). Citylink verbindet schottische Städtchen und ist im Vergleich zu den innerstädtischen Öffis auch noch recht preiswert.
In Schottland ist es üblich, dass Museen gratis sind, ich habe dieses tolle Angebot aber leider erst wenig genutzt. Bei einem Glasgowbesuch ist sicherlich auch ein Abstecher in die schottischen Highlands und zu den Lochs - wie z.B. Loch Lomond oder Loch Ness - ein Muss, diese sind sehr einfach und schnell mit dem Zug zu erreichen. Glasgow ist auch bekannt für seine unzähligen Diskotheken, die sehr oft mit Studentenangeboten, wie gratis Eintritten, locken und auch verhungern wird man bei den vielen Restaurants und all-you-can-eat-Buffets wohl kaum (das “World Buffet Glasgow“ ist zu empfehlen).

Wie sah es mit den ungefähren Kosten aus?
Studiengebühren muss ich ja keine zahlen, dadurch fällt ein großer Brocken schon mal weg. Die Hin- und Rückreisen über Weihnachten, Ostern und die Sommerferien habe ich mit Billigfluglinien, also ryanair oder easyjet, bestritten und bin pro Jahr für die sechs Flüge auf zusammen ca. 400 € gekommen. Dann kommen noch die Wohnkosten dazu, die eher etwas teurer als in Österreich ausfallen. Ich habe letztes Jahr im Studentenwohnheim und dieses Jahr in einer privaten WG beides Mal ein bisschen unter £ 400/ Monat gezahlt. Die Lebenserhaltungskosten variieren natürlich stark je nach Person. Da ich eher sparsam bin und sehr auf Rabatte und “student deals“ schaue, habe ich da glaub ich nicht viel über £ 100/ Monat für Essen und alles Weitere ausgegeben. Für Reisen muss dann natürlich noch zusätzlich Geld einkalkuliert werden. Es ist also schon ein bisschen teurer als ein Studium im Inland. Ich glaube jedoch, Studieren in Großbritannien (mit dem Geheimtipp eines Studiums in Schottland) kann sehr viel preiswerter sein, als es die meisten vermuten.

Nützliche Internet- oder Kontakt-Adressen?
Zur Bewerbung an britischen Unis: http://www.ucas.com/
Hier diskutieren britische Studenten über alles zum Thema Unis: http://www.thestudentroom.co.uk/
Der Teil über EU-Studenten auf der SAAS-Internetseite: https://www.saas.gov.uk/full_time/ug/eu/index.htm
Hier findet man ganz viele “personal statements“ als Leitfaden: http://www.studential.com/personalstatements/
Ein paar Ratschläge für die Referenz: http://www.ucas.com/how-it-all-works/advisers-and-referees/referees/undergraduate
Meine Uniwebsite (das sind immer super Informationsquellen): http://www.gla.ac.uk/
Reisebusse: http://uk.megabus.com/ oder http://www.citylink.co.uk/index.php
Zum Hotels buchen: http://www.booking.com

In wie weit hat dich deine Auslandserfahrung verändert?
Als ich vor ca. 2 Jahren von zu Hause ausgezogen bin und das gleich, um im Ausland zu studieren, war das anfangs sicherlich eine große Herausforderung, die mich schnell reifer und verantwortungsbewusster werden ließ. Mein Auslandsaufenthalt sollte jedoch auch meiner Schüchternheit den Kampf ansagen, da ich gezwungenermaßen auf Fremde zugehen musste und diese Überwindung tat mir echt gut. Heute fühle ich mich aufgeschlossener, kontaktfreudiger, selbstbewusster und vielleicht noch abenteuer- und reiselustiger. Fürs nächste Studienjahr geht’s nämlich ab nach Montréal (Kanada) für ein zweisemestriges Austauschprogramm!


Noch Fragen?
Schreib Natalie eine E-Mail: natalie.bereuter@hotmail.com