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Philipp in Cartagena, Kolumbien

Juli 2013 bis Juli 2014
"Dinge, die in keinen Koffer der Welt passen würden und für kein Geld der Welt erhältlich sind."

Name: Philipp Mendoza

Wohnort: Rankweil

 

Wie bist du auf das Projekt aufmerksam geworden?

Durch die Pfarre Frastanz.

Was hast du vor Ort gemacht?

Ich arbeitete an der Madre Herlinda Moises Stiftung - kurz FMHM - in einem Vorort der kolumbianischen Küstenstadt Cartagena. Die Stiftung wurde 1965 von der aus Salzburg stammende Ordensschwester Maria Herlinde Moises gegründet. Heute arbeitet die Stiftung in verschiedenen Bereichen wie Gesundheit, Bildung, Kultur und soziale Entwicklung sowie in verschiedenen Dörfern der Umgebung.

Einen Teil meiner Arbeitszeit an der Fundación Madre Herlina Moises verbrachte ich in dem gleichnamigen Viertel (von den Arbeitern auch nur "Barrio" genannt), welches sich vom Rest des Dorfes durch den niedrigen Lebensstandard und die Zusammensetzung der Einwohner aus ganz Kolumbien unterscheidet. Zu meinen Arbeiten im Barrio gehörten beispielsweise die Eintragung aller Familien in eine Art Liste, mit dem Ziel, das Viertel besser zu organisieren, das Sammeln von Unterschriften für eine Petition für Trink- und Abwassersysteme oder das Pflanzen von Kokospalmen mit dem Ziel, das Recht der ansässigen Familie auf das von ihnen bebaute Land zu steigern.

Zusätzlich wurde mir ein Notfalltoilettenprojekt zugeteilt, bei dem ich in Zusammenarbeit mit den Familien Toiletten errichtete. Dadurch, dass es im Barrio kein Abwassersystem gibt, gibt es auch keine regulären Toiletten, weswegen die Bewohner inklusive Kleinkinder ihr Geschäft im Gestrüpp, welches das Barrio umgibt, verrichten.

Neben den Arbeiten, die mit dem eben genannten Projekt verbunden sind, gibt es noch weitere Arbeiten, die ich wöchentlich oder täglich erledigte: Zur Fundación gehört auch ein medizinisches Zentrum, in dem ich einerseits beim täglichen Kassensturz und dem Inventar der Apotheke und andererseits auch als Kurier von EKGs und Zytologischen Untersuchungen, die in ein Krankenhaus in der Stadt gebracht werden mussten, mithalfen.

Weitere Aufgaben waren Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an den Gebäuden der Fundación, die Gestaltung von Spielstunden für Kinder eines Bildungsprojekts und das Fotografieren bei unterschiedlichen Projekten.

Ein sich jährlich wiederholendes Projekt ist der Besuch des Karnevals von Barranquilla mit der Jugendkulturgruppe Cayambe. Um die Reise zu finanzieren und auch um die Familien etwas mehr ins Geschehen einzubinden, organisierte die Stiftung ein BINGO-Spiel im Barrio, in welchem der Großteil der Familien der Jugendlichen wohnen. Ich konnte sowohl bei der Organisation und Durchführung des Bingos als auch bei der Reise nach Barranquilla mitwirken.

Wie sah es mit den ungefähren Kosten aus?

Da ich wegen meines Auslandsdienstes nach Kolumbien ging, wurden Flug, Impfungen und Versicherungen bezahlt. Für Kost und Logis war auch gesorgt.

Hast du etwas verdient?

Die Entsendeorganisation, die Pfarre Frastanz, zahlt ein kleines Taschengeld.

Was hast du von deinem Auslandsaufenthalt mitgenommen?
Nach einem Jahr in Pasacaballos kann ich für mich unzählige Dinge mitnehmen, Dinge, die in keinen Koffer der Welt passen würden und für kein Geld der Welt erhältlich sind. Mit meiner Rückreise nach Österreich nehme ich Erinnerungen, Gefühle und Erkenntnisse mit, an die ich mich - so hoffe ich - mein Leben lang erinnern werde.
Zugleich hoffe ich aber auch, etwas hinterlassen zu haben. Ich glaube nicht, dass ich nur etliche Pinselstriche an verschiedenen Wänden oder meinen in Zement geschriebenen Namen hinterlassen habe. Ich glaube, dass die etlichen Stunden, die ich mit so manchen Kindern und Jugendlichen in Pasacaballos verbracht habe, im Laufe der Zeit ihre Früchte tragen werden.

Wenn die detailreichen Erinnerungen verblasst sind, hoffe ich, dass die Leute, die mich kennengelernt haben, mit einem guten Gefühl im Herzen an mich zurück denken können.

Dank meinem Einsatz hier an der Madre Herlinda Moises Stiftung konnte ich Meilensteine in meinem Leben erreichen, die vielleicht ein geringes Volumen, jedoch eine umso höhere Masse aufweisen.

Auch wenn man als Sozialdienstleistender hier an der Stiftung vielleicht keinen monatlichen Geldbetrag garantiert bekommt, so kompensieren und übertreffen das Erfahrene, Erlebte und Gelernte sowieso jeden Geldbetrag bei Weitem.

 

Noch Fragen?
Schreib Philipp eine E-Mail: philippmendozas@gmail.com