Zum Inhalt springen

Louis startet in Italien durch


Die ersten vier Monate

Hallo Du! Ich bin Louis, 20 Jahre alt und bin für 11 Monate als Freiwilliger in Italien, genauer gesagt in Pordenone. Hier arbeite ich in einem Wohnheim und Tageshort für mehrfachbehinderte Menschen. Warum ich dieses Projekt mache? Ich möchte Ergotherapie studieren und brauche dafür  ein Jahr Vorpraktikum. Ich kam auf die Idee, das Praktikum mit einem Auslandsaufenthalt zu verbinden und deshalb habe ich mich für den Freiwilligendienst entschieden. Eigentlich wollte ich zuerst nach Spanien aufgrund der Sprache und eines sehr interessanten Projektes, welches ich da entdeckt habe. Doch ich bin jetzt hier in Italien und es gefällt mir wirklich sehr gut. In diesen vier Monaten konnte ich ohne jegliche Vorkenntnisse mein Italienisch schon auf ein anständiges A2 Level bringen.

Ich habe diesen Bericht in verschiedene Teilbereiche unterteilt: Das Projekt und die Arbeit selbst, WG-Leben und Persönliches (Freundschaft, Familie usw.).

Die Zeit in den ersten zwei Wochen war reine Einführung, um die Bewohner, Arbeiter und die Arbeit selbst ein wenig näher kennen zu lernen. Danach hatte ich neun Wochen begleitete Einführung in die Morgenhygiene und dem Zubettgehen für den Nachmittagsschlaf. Nach dieser Zeit durfte ich gewisse BewohnerInnen alleine begleiten und begann auch Nachmittagsschichten zu haben. Anfangs hatte ich grosse Angst, dass mir diese Arbeit gar nicht bekommt, doch das Gegenteil war der Fall. Die Arbeit bereitet mir Freude und ich gehe gerne hin. Man braucht einige Nerven, doch man gewöhnt sich schnell daran und entwickelt eigene Umgangsweisen. Was mir besonders gefällt, ist die Abwechslung, denn kein Tag ist wie der andere und jedes Mal lerne ich die Behinderten sowie die Arbeiter besser kennen und ich sehe neue Techniken oder auch Fähigkeiten der Bewohner, die ich ihnen zuvor nie zugetraut hätte. Ich muss sagen, dass ich sehr viel darüber gelernt habe, wie viel (schwer) behinderte Menschen empfinden und machen können.

Nun möchte ich dir noch zum Leben in meiner ersten WG erzählen. Ich habe irgendwie die Angewohnheit, dass ich die meisten neuen Menschen zuerst nicht so richtig mag. Jedenfalls war ich die ersten beiden Wochen alleine hier und das waren definitiv die mühsamsten seit ich hier bin. Im Monatstakt ist dann immer jemand dazugekommen und mittlerweile sind wir vier Frauen und zwei Männer. Es gibt zwischendurch kleine Reibereien, doch generell kommen wir bisher gut zurecht. Das grösste Problem ist die Sauberkeit und das Putzen, doch das ist wohl fast überall so. Wir haben ein gemeinsames Hobby: Malen/Zeichnen und unser Wohnzimmer wird immer mehr zu einem Ausstellungsraum, was echt cool ist.

Es gibt ein Thema, welches momentan einen sehr grossen Teil meines Lebens ausmacht und ich denke es ist ein allgemein wichtiges Thema, deshalb möchte ich dir davon erzählen. Ich bin transmaskulin/nonbinary (Genaues dazu findest du unter www.tgns.ch) und sah diese Reise nach Italien als perfekte Chance, um neu zu beginnen an einem Ort, an dem mich niemand kennt. Das erste Treffen mit der „International Group“ (Ex-Freiwillige, Gleichaltrige von Pordenone und andere Einwanderer) war dementsprechend enttäuschend, da ich von allen als Frau gesehen wurde. Ich habe mich darauf bei einigen geoutet und sie haben positiv darauf reagiert. Negative Erfahrungen habe ich bis jetzt eigentlich fast keine gemacht – glücklicherweise! Ich habe hier wirklich gute Freunde gefunden und mit meinem besten Freund fahre ich praktisch jedes Wochenende ausserhalb von Pordenone hin. Heimweh habe ich kaum, da ich auf der einen Seite nicht wirklich Zeit dazu habe und auf der anderen Seite gefällt es mir hier einfach zu gut. Mit meiner Familie und meinen Freunden aus Liechtenstein habe ich regelmässigen Kontakt und ich wurde auch schon besucht von ihnen, was echt nett war.

Einen speziellen Moment möchte ich zum Schluss noch erwähnen!  Zu Weihnachten bin ich hiergeblieben und wir haben ein gemeinsames Weihnachtsfest gemacht mit allen, die ihre eigene Familie nicht hier in Italien bzw. der Nähe haben. Jede Person hat etwas Typisches aus dem eigenen Land gekocht und somit hatten wir ein internationales Weihnachtsessen. Zudem spielten wir etwas Ähnliches wie Wichteln, jeder hatte also einen geheimen Freund, dem er ein kleines Geschenk machte. Somit bekamen alle etwas und man musste nicht jeder einzelnen Person ein Geschenk geben. Dieser Abend bleibt unvergesslich!

Zur Frage, ob ich das wieder machen würde, kann ich nur eins sagen: Auf alle Fälle!

 

Start in eine Zeit voller Abenteuer!

Louis startete im September 2017 seinen EFD in Italien.

Auch Louis hat sich für einen EFD entschieden und zwar in Italien. Er wird in einem Tageszentrum für Menschen mit Behinderung arbeiten. Auf den Europäischen Freiwilligendienst ist der 19-Jährige durch eine Veranstaltung in der Schule gekommen und da er bei ihm als Vorpraktikum zählt, wird er danach auch gleich sein Studium als Ergotherapeut an der ZHAW beginnen können. Dazu kommt, dass sich das Ganze eben im Ausland abspielt, wo er auf viele, neue Leute treffen und Erfahrungen für sein Leben sammeln wird, so wie er selbst sagt. Ausserdem möchte sich Louis selber ins Projekt einbringen und etwas Positives beitragen.

Bis Louis den Vertrag jedoch unterschreiben konnte, vergingen einige Monate. Meist erhielt er keine Rückmeldungen von den verschiedenen Organisationen, bei denen er sich bewarb. Als er sich dann bei uns im aha meldete, konnte ihm schnell geholfen werden.

Mitte September ging es los und elf Monate lang wird der Aufenthalt in Italien dauern. Louis macht sich noch etwas Gedanken zur Sauberkeit, denn man weiss nie, worauf man stösst. Jedoch ist er guter Dinge und schon auf das Abenteuer gespannt, welchem ihm entgegensteuert. Am meisten freut er sich auf die Erkundung des Landes und das Kennenlernen der Leute dort, sowie auch auf andere Freiwillige.

Wir wünschen gutes Gelingen!